Bericht der Historischen Kommission übergeben
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Nach rund dreijähriger Arbeit hat die Unabhängige Historische Kommission zur Geschichte der CDU in Thüringen und in den Bezirken Erfurt, Suhl und Gera von 1945 bis 1990 jetzt ihren Bericht an die CDU Thüringen übergeben. Die Kommission unter Vorsitz des Jenaer Historikers und Vorsitzendem der Stiftung Ettersberg, Prof. Dr. Jörg Ganzenmüller, kommt zu dem Ergebnis, dass die CDU nach ihrer erzwungenen Transformation „integraler Bestandteil des politischen Systems“ gewesen ist, und zum Erhalt der Diktatur beigetragen hat. Auf Orts- und Kreisebene sieht die Kommission die Partei zugleich als „Ort der Vergemeinschaftung“ für bürgerliche und christliche Milieus, die sich auf die DDR einließen, aber nicht in die SED eintreten wollten.

Der Landesvorstand der CDU Thüringen hat die Unabhängige Kommission auf Betreiben des im Dezember 2014 neu gewählten Landesvorsitzenden Mike Mohring eingesetzt. Ihr gehörten namhafte Wissenschaftler verschiedener Forschungseinrichtungen an. Stellvertretender Vorsitzender war Prof. Dr. Hermann Wentker, Leiter der Berliner Abteilung des Instituts für Zeitgeschichte. Die Kommission formulierte einen Arbeitsauftrag, schrieb eine Stelle aus und betraute den aus Eisenach stammenden Historiker Dr. Bertram Triebel mit einer entsprechenden Studie. Sie wird voraussichtlich im kommenden Frühjahr 2019 auch als Buch erscheinen. Mohring hatte die Kommission gegen anfängliche Zweifel auch durchgesetzt, um die Verantwortung und Rolle der CDU im Herrschaftssystem der SED in Thüringen und den Thüringer Bezirken aufzuarbeiten. Wie er gegenüber Thüringer Medien ausführte, fühle er sich bei diesem Vorhaben völlig frei, da er seine politische Laufbahn 1989 im Neuen Forum begonnen habe. Der CDU-Landesvorsitzende bedauerte, dass die Thüringer LINKE sich nicht in gleicher Weise bemühe, ihre Geschichte in den Jahren 1945 bis 1990 aufzuarbeiten.

Der jetzt zunächst präsentierte Bericht fußt auf Triebels Studie. Als eine neue Erkenntnis stellte Ganzenmüller heraus, dass die konfliktreiche Transformation der CDU zu einer „zentralistischen Kaderpartei“, die er als „mindermächtige Blockpartei und Herrschaftsinstrument der SED“ bezeichnete, sich bis zum Mauerbau 1961 hinzog. Bisher wird der Abschluss des Transformationsprozesses meist auf das Jahr 1952 datiert. Ein Schwerpunkt der Kommissions- und Forschungsarbeit lag auf den zweieinhalb Jahrzehnten nach der abgeschlossenen Transformation. Die bisher weniger beachtete politische und soziale Praxis bis zur Mitte der 1980er Jahre wird eingehend untersucht. Auf lokaler Ebene haben die Ortsverbände laut Ganzenmüller einen gesellschaftlichen Rahmen für Engagement vor Ort gegeben. „Im Rahmen des Kooperationsverhältnisses mit der SED war es für die CDU durch möglich, Eigensinn an den Tag zu legen“, so der Bericht. Wer Mitglied wurde, wusste in aller Regel: „Mit dem Beitritt zur CDU wurde man Teil einer systemtragenden Partei und signalisierte zugleich eine gewisse Distanz zur SED.“